THE FIRST HORU LADY

Inspiration 3-2019

TEXT DANIEL ANKER
FOTOS ARCHIV MARIA MERCX

Inspiration Matterhorn. Sie ist dem berühmtesten Berg der Schweiz verfallen: Maria Mercx, 82 Jahre alt, wohnhaft in Hilversum zwischen Utrecht und Amsterdam. Horu Heim heisst ihr Haus. Seit 1993 besucht sie fast alljährlich ihren Berg. Und hört nicht auf, Matterhorn-Objekte zu sammeln.

In diesem Jahr weilte sie wieder in Zermatt, zum 21. Mal in ihrem Leben. Am 3. April 2019 schickte mir Maria Mercx dieses Whats Up: "Lieber Daniel, two days in Zermatt without HORU is hardly to overcome." Dabei kennt sie den Berg auswendig. In jeder Form. Von Briefmarken mit dem Matterhorn drauf bis zum richtigen Horn. Natürlich auch von Hotels und Ferienwohnungen in Zermatt. Beim Aufstehen ein erster Blick auf ihren Berg, vor dem Schlafengehen ein letzter. Zuhause liegt, steht, hängt, stapelt sich das Matterhorn überall. Als Souvenir, Schokolade oder Schraubenzieher, auf der Serviette, dem WC-Deckel oder in der Schnapsflasche, auf dem Zigarettenpäckchen, Deodorant oder Kalender: einfach überall, wo das Matterhorn habhaft wird, hat es den Weg ins Haus von Maria Mercx gefunden. Es heisst Horu Heim, wie denn sonst? Ein lebendiges Matterhorn Museum in Holland. Mindestens einmal im Jahr muss aber das richtige her. Und wehe, es zeigt sich nicht. Aber am 5. April, um 6.52 Uhr, schickte sie mir ein Bild vom frisch verschneiten, wolkenlos grossartig im fahlen Morgenlicht sich erhebenden Berg: "Good morning lieber Daniel, das Matterhorn ist wieder da!"

Begonnen hat die holländische Leidenschaft für das schweizerisch-italienische Horn 1954, als Maria 17 Jahre alt war. Ihr Vater nahm sie mit an die Mitgliederversammlung der "Vereniging Nederland-Zwitserland". Ein Film über Zermatt und die Swissair wurde gezeigt, und die Anwesenden erhielten zum Schluss ein Plastiksäckchen mit zwei kleinen Steinen vom Matterhorn. Buchstäblich der Grundstein für die Matterhorn-Sammlung von Maria Mercx, die heute knapp 500 Stücke umfasst. Sie hat die Steinchen in der Originalpackung aufbewahrt.

Bis 1954 hatte Maria Mercx von der Schweiz einzig Arosa gekannt, wohin sie mit ihren Eltern jeweils im Winter fuhr. Später wechselte man nach Flims für die Skiferien. Aber immer blieb da der Wunsch, einmal das Matterhorn live zu sehen. 1993 war es dann endlich so weit. Tochter Caroline organisierte eine Woche Wanderurlaub in Kalpetran, einem Weiler im unteren Mattertal, ohne Blick aufs Matterhorn (aber das zeigt sich ja ohnehin erst bei der Einfahrt in der Bahnhof Zermatt). An einem sonnigen Dienstag, so schrieb mir Maria in einem E-Mail, seien sie dann mit der Bahn nach Zermatt gefahren. "We walked through the village and went to Schwarzsee. On the terrace of hotel Schwarzsee I stood literally "in trance”!!!" Drei Ausrufezeichen, immer noch. Und weiter ging es noch gleich gegen die Hörnlihütte, doch für ihr lädiertes Fussgelenk sei der Weg dann zu schwierig geworden. Bei der Bergstation (2775 m) des Hirli-Skiliftes sei Schluss gewesen: "That was my nearest point to HORU." Sie schreibt es immer in Grossbuchstaben, ihr Horn.

Coup de foudre zwischen Maria und Matterhorn also. Und so ging es 1994 dann direkt nach Zermatt, zehn Tage im Hotel Bella Vista. "It was a marvellous experience! Everyday walking in the mountains and always HORU in sight!!!" Neunzehn weitere Aufenthalte folgten, immer in der Wintersaison, ausser im Juli 2015, als 150 Jahre Erstbesteigung des Matterhorns gross gefeiert wurde. Und da musste Lady Mercx natürlich dabei sein. Schliesslich ist ihre Matterhorn-Briefmarke, die sie extra für sich bei der niederländischen Post für das Jubiläum fertigen liess, im Matterhorn Museum "Zermatlantis" ausgestellt; zur Zeit allerdings sind ein paar Trouvaillen des Museums, darunter eben diese Briefmarke, in der Ausstellung "Der Berg ruft" im Gasometer Oberhausen im Ruhrgebiet zu bewundern.

Von all ihren Ferien bastelt Maria Mercx ein Scrapbook. Allein die Bände zu Zermatt füllen ein Gestell. Von ihrem ersten Aufenthalt in Zermatt brachte sie eine schöne Blechbüchse nach Hilversum, dekoriert mit dem Ansichten des Matterhorns, gefüllt mit Schweizer Schokolade. "The chocolates are gone, but the collection started." Zudem liess sie ein paar ihrer Fotos vergrössern und verschönerte so die Wände. Das gefiel nicht nur ihr, sondern der ganzen Familie. Seither hilft auch sie mit, die Matterhorn-Collection zu erweitern. Was sich insofern als praktisch erweist, als so nun immer klar ist, war der Maria zu schenken ist: im Zweifelsfalle ein Matterhorn. Flach auf Papier und Plastik, hügelig aus Glas und Gips. Zum Anschauen und Greifen, zum Lesen und Hören. Zum Aufkleben und Anziehen, zum Schreiben und Schnäuzen. Einfach alles und überall. Denn: Gibt es etwas im Leben, wo das Matterhorn nicht sichtbar wäre? Sogar in Todesanzeigen schimmert das Aushängeschild von Zermatt immer wieder durch.

Und warum diese Passion für den Berg der Berge? "My fascination for the HORU was the shape”, schrieb mir Maria Marcx. Die Form also. Aber auch ein schwierig zu erklärendes Gefühl sei da, eine Art Verwandtschaft mit dem Matterhorn. Was bestimmt mit ihrer Hochzeitsreise nach Ägypten im Jahr 1960 zu tun habe: "Later I realised that the Matterhorn was for me also a pyramid." Und die Seite von Zmutt erinnere sie immer wieder an die Sphinx von Gizeh.

Kennengelernt habe ich Maria Mercx am 11. Dezember 2018, dem Internationalen Tag der Berge. Im Radio SRF 1 erzählte ein Josef Mercx aus Baden, dass seine Schwester in Holland alles zum Matterhorn sammle und dass sie ihr Haus Horu Heim getauft habe. Als Autor des Buches "Matterhorn – Berg der Berge" interessierte ich mich sofort für diese Matterhorn Lady und kontaktierte sie via Radio und Bruder. Und schon an Weihnachten schrieb sie mir einen Brief in deutscher Sprache und schenkte mir das letzte Exemplar ihrer Matterhorn-Briefmarke für meine Sammlung. Und: Anfang April verbringe sie eine Woche in Zermatt, und wenn ich dann auch dort wäre, "möchte ich Ihnen auf einen Kaffee oder ein Glas Wein einladen." Es wurde dann ein Mittagessen.

Am 6. Dezember 2019 feiert Maria Mercx ihren 83. Geburtstag. Ich werde ihr ein Matterhorn schenken, das sie hoffentlich noch nicht hat. Platz hat sie jedenfalls noch für weitere Matterhorn-Memorabilia. Die Bücher zu Ägypten und alle Fossilien hat sie schon mal in den Estrich verbannt. Gegen den felsigen Obelisken von Zermatt haben weder die Pyramiden von Gizeh noch versteinerte Zeugnisse von toten Lebewesen eine Chance. Auch wenn sich das Horu vor Ort manchmal etwas schnippisch benimmt und sich nicht zeigt.

Matterhorn-Memorabilia
von Maria Mercx
in Zahlen

493 Objekte. Zum Beispiel:
2 verschiedene Zermatt-Bierflaschen
10 Puzzle-Spiele
3 Armbanduhren, davon 2 funktionierend
6 Ordner mit Zeitungs– und Zeitschriftsausschnitten
37 Ordner mit Fotos, Ansichtskarten und Bilder aus dem Internet
21 Erinnerungsalben von Zermatt-Ferien
11 Säcke und Tüten
4 kleine Käsebretter
16 Kühlschrankmagnete
1 Koch-Schürze
1 Topflappen
7 Pack verschiedene Zermatt Papierservietten
3 verschiedene Tuben Sonnenschutzmittel
1 Fläschli Badesalz
7 CD mit Matterhorn-Liedern
1 Matterhorn-Händewärmer
1 Aschenbecher
1 Peak-Kit (mit Zahnbürste usw.)
1 Weihnachtsbaum-Kugel
1 Kuhschelle
13 Zermatt Magazines (nur Jahr 2013 fehlt)
1 Toblerone-Eisbecher
28 Plastiktüten (aus verschiedenen Geschäften)
2 verschiedene Milchkannen (20 cm hoch)
11 kleine Pins (Anstecknadel)

zurück


© www.moetjekijken.nl